• OSCAR WALCKER SCHULE

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Traue niemandem! – Über Verbreitung und Gefahren von Verschwörungsideologien

Vortrag des Referatsleiters des Landesamts für Verfassungsschutz Baden-Württemberg vor der gymnasialen Oberstufe der Oscar-Walcker-Schule zeigt Vielfalt und Gefahren von Verschwörungsideologien auf.

Referatsleiter des Landesamts für Verfassungsschutz Baden-Württemberg, Daniel Meyer an der OWS

Ist die Erde in Wirklichkeit eine Scheibe? Werden wir von Echsenmenschen regiert? War 9/11 vom US-Staat selbst initiiert? Ist Corona eine Lüge?

Nicht erst seit Beginn der Corona-Pandemie kursieren die verschiedensten Verschwörungstheorien und -ideologien in unserer Gesellschaft. Und mit den Möglichkeiten, diese über soziale Netzwerke zu verbreiten wächst die Gefahr, dass diese Vorstellungen immer mehr Menschen erreichen und eventuell auch überzeugen. Umso wichtiger ist es präventiv einzuwirken. Aus diesem Anlass hielt der Referatsleiter des Landesamts für Verfassungsschutz Baden-Württemberg, Daniel Meyer, am 27.September 2021 einen Vortrag vor den Schülerinnen und Schülern des Technischen Gymnasiums der Oscar-Walcker-Schule. Initiiert wurde dies von den beiden Lehrerinnen Christina Herrmann und Jana Weigend, die im Rahmen eines fächerübergreifenden Unterrichts der Fächer GGK und Ethik in der Klasse 13 zur Auseinandersetzung mit diesem Thema angeregt hatten.

Der Vortrag von Herrn Meyer vermittelte den Schülern sehr viele Informationen über Verschwörungstheorien und -ideologien. Zunächst gab Herr Meyer einen Einblick in die Arbeit des Verfassungsschutzes. In einem Selbstversuch konnten die Schüler dann testen, ob es Theorien gibt, die sie vielleicht im ersten Moment sogar überzeugend finden. Grundsätzlich sei es laut Herrn Meyer ein großes Problem, dass viele Leute Dinge übernähmen und für wahr annehmen würden, ohne die Fakten zu checken. Damit verbreiteten sich diese Theorien dann und könnten sich zu Ideologien verfestigen. Verschwörungsideologien wiesen laut Herrn Meyer bestimmte Merkmale auf: so sei eine dualistische Weltsicht (Freund-Feind-Denken) charakteristisch, ebenso wie die Überhöhung der eigenen Einflussmöglichkeiten der Verbreitenden. Für viele sei der Glaube an solche Ideologien das Ende einer langen Sinnsuche, die Sehnsucht nach Gemeinschaft werde befriedigt. Problematisch sei daran vor allem die „Brücke zum Extremismus“, die leicht gebaut würde und damit wachse auch die Gefahr eines Zugriffs des Extremismus auf das bürgerliche Spektrum, die Folge sei eine mögliche Radikalisierung Einzelner. Der Verfassungsschutz habe beobachtet, dass solche Radikalisierungen im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie in den letzten Monaten wesentlich schneller vonstattengingen als früher.

Unter all den vielen Verschwörungsideologien wurden in dem Vortrag zwei Gruppen besonders hervorgehoben: die Reichsbürger, die sich als heterogene Gruppe darstellen, deren Gemeinsamkeit sich in der Leugnung der Existenz der BRD sowie in einer hohen Affinität zu Waffen zeigt und die aus den USA kommende QAnon-Bewegung.

Seit Ende 2020 stehen auch die während der Corona-Pandemie entstandene „Querdenker“ - Bewegung unter Beobachtung des Verfassungsschutzes. Denn Grundlage ihres Denkens ist eine große Staatsfeindlichkeit, eine enge Vernetzung mit (Rechts-)Extremisten sowie Reichsbürgern. Die Szene selbst beschrieb Herr Meyer als äußerst diffus und heterogen, allgemein gewaltbereit. Erschreckend ist auch, dass die Querdenken-Bewegung viele vor allem auf die Jugend Einfluss ausübende Prominente in ihren Reihen hat. So gibt es einen Rap-Song, in dem unter anderem Xavier Naidoo auftritt, und in dem gegen die Corona-Politik sowie die Impfungen Stimmung gemacht und sogar zur Gewalt aufgerufen wird.

Die Schülerinnen und Schüler der OWS hörten den Ausführungen sehr interessiert zu und stellten Herrn Meyer viele Fragen, so dass sie in einen regen Austausch mit dem Referenten kamen. Besonders wichtig war es mit Sicherheit, den Jugendlichen vor Augen zu führen wie leicht sich Verschwörungsideologien verbreiten lassen und damit zu mehr Achtsamkeit im Umgang mit den Neuen Medien anzuregen. Wir danken Herrn Meyer sehr für sein Kommen und seinen anschaulichen Vortrag!