Im Rahmen der Projektwoche Demokratie – organisiert von einem Team aus engagierten Lehrkräften - wurde ein vielfältiges Programm angeboten, das Schülerinnen und Schülern auf unterschiedlichste Weise demokratische Werte näherbrachte. Zahlreiche Workshops, Lesungen und Vorträge boten Raum für Diskussion, Reflexion und persönliches Erleben.
Die thematische Bandbreite der Workshops reichte von Rassismus, Fake News, Werte und Wahlrecht bis hin zu Taekwondo als Erfahrungsraum für Respekt und Selbstdisziplin. Alle Angebote waren hervorragend besucht und stießen auf großes Interesse. Besonders eindrucksvoll war der Vortrag von Friedmar Sonntag, der von seinem Fluchtversuch aus der DDR berichtete und schilderte, wie er dabei in die Fänge der damaligen Strafjustiz geriet. Seine persönlichen Einblicke ermöglichten es den Schülerinnen und Schülern, historische Ereignisse aus einer berührenden, authentischen Perspektive zu betrachten.
Einen emotionalen Höhepunkt bot das Theaterstück „Anne Frank“. Vor rund 100 Zuschauerinnen und Zuschauern verwandelten Darstellerin Sabine Soydan und Regisseurin Lena Roth von den Stuttgarter Schauspielbühnen das Podium der Aula in das berühmte „Hinterhaus“ in Amsterdam, in dem sich Anne Frank mit ihrer Familie versteckte.
Mit großer Intensität, Tiefe und Feinfühligkeit gelang es ihnen, Annes Gedanken- und Gefühlswelt auf beeindruckende Weise lebendig werden zu lassen. Das Publikum folgte der Aufführung sichtlich bewegt und würdigte die Darstellung mit langem Applaus.
Ein weiterer emotionaler und musikalischer Höhepunkt war das Projekt „Lebensmelodien“ unter der künstlerischen Leitung von Nur Ben Shalom. Bereits zum zweiten Mal konnte die Oscar-Walcker-Schule den Musiker für dieses besondere Vorhaben gewinnen. Hinter den „Lebensmelodien“ stehen Kompositionen aus den Jahren 1933 bis 1945 – musikalische Zeugnisse jüdischer Schicksale. Diese Musik half Menschen in Ghettos und Lagern dabei, Hoffnung zu bewahren, Trost zu finden oder sogar Abschied zu nehmen. Über 40 Musikerinnen und Musiker der Oscar-Walcker-Schule sowie der Chor der angehenden Erzieherinnen und Erzieher der Mathilde-Planck-Schule gestalteten den Abend mit. Mit großem persönlichem Einsatz probten die Musikerinnen und Musiker die Stücke – häufig in ihrer Freizeit oder sogar unter Verzicht auf Unterricht, den sie später nachholen müssen –, um Teil dieses besonderen Projekts zu sein. Neun ausgewählte Stücke wurden aufgeführt und durch begleitende Texte ergänzt, in denen Inhaftierte bewegende Botschaften an die Nachwelt hinterlassen haben. Die Aula war bis auf den letzten Platz gefüllt.
Am Ende wandte sich Nur Ben Shalom direkt an die jungen Musikerinnen und Musiker: „Ich übergebe euch diese Musikstücke. Sie gehören jetzt euch. Tragt sie weiter.“ Ein Moment, der berührte – und die Verantwortung deutlich machte, die Erinnerung wachzuhalten.